Gesicherte Dividende, tägliche Ausschüttung, mehr als 100 Jahre wachsender Gewinn – nach einem solchen Wertpapier würde sich jeder Börsianer die Finger lecken. Doch die Waldaktie mehrt keine Vermögen, sondern den Umweltschutz: Für jedes verkaufte Wertpapier werden zehn Quadratmeter Wald gepflanzt.
Klaus Wowereit hat eine, Bundespräsident Horst Köhler auch, und Tatort-Kommissar Axel Prahl macht sogar Werbung dafür: „Die Idee mit der Waldaktie passt zu diesem Land wie der Strand und die Natur“, sagt der Schauspieler, der zunächst 50 der Papiere erwarb. Ende 2007 führte der Tourismusverband gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns die Waldaktie ein: Umweltbewusste Urlauber sollen sich mit dem symbolischen Kauf eines Baumes oder eines Stückchen Waldes am Entstehen der ersten norddeutschen Klimawälder beteiligen – und den Urlaub so CO2-neutral gestalten.
Das Problem ist nicht neu: Zuhause kann jeder seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem er Müll trennt, bei Produzenten aus der Region einkauft und mit alternativen Energien heizt. Doch spätestens im Urlaub beginnen selbst vorbildliche Ökobilanzen zu wackeln: So werden durch einen Flug von Hamburg nach Mallorca und zurück pro Person ca. 850 Kilogramm Kohlendioxid freigesetzt. Bei Fernreisen liegen die Werte deutlich höher: Ein Hin- und Rückflug nach Australien setzt mehr als zwölf Tonnen Kohlendioxid frei. Eine vierköpfige Familie, die zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern verbringt, setzt samt Anreise mit dem Auto sowie Unterkunft und Freizeitaktivitäten im Schnitt 850 Kilogramm Kohlendioxid frei, ein eher geringer Wert.
Die Waldaktie schafft den Ausgleich: Die davon gepflanzten einheimischen Baumarten binden rund 900 Kilogramm Kohlendioxid. Inzwischen wurde dieses Konzept sogar auf Tagungsreisende übertragen. Die investierten zehn Euro reichen aus, um einen Hartholz-Baum zu pflanzen und zu pflegen. Diese Aufgabe hat die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung übernommen. Es werden Baumarten gepflanzt, die nach heutigen Erkenntnissen am besten mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen. Und es werden nur „zusätzliche“
Bäume gepflanzt – das Geld fließt nicht in Forstmaßnahmen, die sonst durch andere Mittel finanziert werden würden.
Die Waldaktie wird natürlich nicht an der Börse gehandelt. Stattdessen kann man sich im Internet ganz einfach seine persönliche Waldparzelle auswählen. Ein Klick auf das Satellitenbild, dann zur Kasse gehen, und ein neuer Waldaktionär ist geboren. Der Käufer darf sich sogar mit Foto auf der Internet-Seite verewigen: So ist der vierjährige Tom schon Waldbesitzer, ein adliger Käufer hat „seinen“ neuen Wald mit dem Familienwappen markiert und ein Heimatverein beglückte seinen Bürgermeister zum Geburtstag mit einem Stück Wald.
Aber eigentlich möchte man doch lieber selbst den Spaten in den Boden rammen, die frische Erde riechen, den jungen Setzling ins Loch heben und nach dem Zuschütten zum ersten Mal gießen. Und vielleicht nach einiger Zeit wiederkommen, um das Wachstum zu verfolgen. Für Waldaktionäre kein Problem: Bei regelmäßigen Pflanzaktionen können Urlauber selbst Hand anlegen und den gespendeten Baum einpflanzen.
Waldaktien können unter www.waldaktie.de bestellt werden, sie werden nach dem Kauf per Post versandt. Auf der Website werden auch die Termine der Pflanzaktionen bekannt gegeben.
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