Sie gilt als eine der schönsten Befestigungsanlagen in Europa: Die begehbare Stadtmauer von Dubrovnik, die das alte Herz der Stadt wie ein enger Ring umspannt. Einst wollte man damit Angreifer abhalten, heute wird das monumentale Bauwerk von Touristen eingenommen.
Das Dächermeer der Altstadt von Dubrovnik blitzt mal hell, dann wieder dunkelrot auf. In der Abendsonne lodert die Ziegellandschaft geradezu. Der Ausblick von der 1,94 Kilometer langen Festungsmauer, die bis zu 25 Meter hoch ist, verschafft einen ersten Eindruck von der Stadt.
Drei Jahre dauerte der Bau, mit dem 1461 begonnen worden war. An dem Vorhaben war auch der Baumeister Juraj Dalmatinac beteiligt, der mit der Errichtung der Kathedrale von Šibenik in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Fast wäre das Vorhaben allerdings gescheitert, denn Baumaterial war knapp. So musste jeder Reisende, der über die Häfen Gruž oder Ploče herkam, einen Stein mitbringen, dessen Umfang im Verhältnis zu seiner Körpergröße zu stehen hatte. Die Zeit drängte, denn nach dem Fall von Konstantinopel 1453 fürchtete die Stadtrepublik Ragusa, das alte Dubrovnik, die Einnahme durch die Osmanen. Die bisherige Stadtmauer, mit deren Bau schon im 12. Jahrhundert begonnen worden war, sollte daher noch sicherer gemacht werden.
Zum Land hin sind die Mauern heute bis zu sechs Metern dick, während sie auf der Seeseite höchstens die Hälfte messen. Ein Eindringen in die Stadt schien kaum möglich, da alle Seiten hermetisch abgeriegelt waren. Über dem Ploče-Tor im Osten thronte zudem die Figur des Sv. Vlaho. Doch weder der Schutzheilige der Stadt noch die Wehrmauer konnten die Kräfte der Natur aufhalten: Am 6. April 1667 bebte die Erde von Ragusa fürchterlich. Die meisten Gebäude wurden zerstört, nur die massive Stadtmauer blieb weitgehend intakt.
Dass das Bollwerk später den Menschen noch einmal Schutz bieten sollte, konnte damals niemand ahnen. Davon erfährt der Besucher auf einer Karte, die nahe der Nordflanke der Wehrmauern angebracht ist. In ihr sind alle Orte in der Altstadt eingezeichnet, die im Krieg der 1990er-Jahre beschädigt wurden. Denn ab Oktober 1991 fielen vom Berg Srđ im Hinterland gut 2000 Granaten auf die Altstadt, mehr als 100 Menschen starben dabei. Über ein halbes Jahr zitterte die eingekesselte Bevölkerung vor den Angriffen der serbisch-montenegrinischen Verbände, Bilder der brennenden Altstadt gingen um die Welt. Heute präsentiert sich die Stadt auf dem einstigen Felsen wieder in gewohntem Glanz – mithilfe baulicher Unterstützung aus dem Ausland –, doch die schmerzliche Erinnerung bleibt.
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