1911, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, stellten die beiden Künstler Franz Marc und Wassily Kandinsky unter dem Namen „Der Blaue Reiter“ erstmals gemeinsam aus. Dreh- und Angelpunkt dieser Künstlergemeinschaft war das Landhaus, in dem Gabriele Münter und Wassily Kandinski lebten. Im Jubiläums-Jahr können Urlauber sich im Künstlerstädtchen Murnau und in der Urlaubsregion Blaues Land rund um den Staffelsee auf Spurensuche begeben, Sonderausstellungen besuchen und sich auf zahlreiche Veranstaltungen freuen.
Gabriele Münter und Wassily Kandinsky hatten sich 1909 in Murnau in einem kleinen Landhaus, dem heutigen Münter-Haus, niedergelassen, in dem später ihre Künstlerfreunde Franz Marc, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky ein- und ausgingen. Im Sommer und Herbst 1911 wurde in Murnau der Almanach „Der Blaue Reiter“ grundlegend vorbereitet. Am 18. Dezember 1911 fand unter dem Titel „Der Blaue Reiter“ die erste Ausstellung in der Galerie Thannhauser in München statt. Ebenfalls in München wurde dann der Almanach „Der Blaue Reiter“ im Mai 1912 veröffentlicht, der als eine der bedeutendsten programmatischen Schriften zur Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts gilt.
Münter und Kandinsky blieben bis 1914 in dem urigen Haus. Im Jubiläums-Jahr können Besucher zudem außergewöhnliche Exponate bewundern, die noch bis zum 11. September 2011 erstmals öffentlich zu sehen sind: In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts widmeten sich Gabriele Münter und Wassily Kandinsky nicht nur der Malerei, sondern auch anderen Ausdrucksmöglichkeiten wie Handarbeiten. So entstanden in enger Zusammenarbeit perlenbestickte Täschchen und Wandbehänge, von Kandinsky entworfen und von Münter ausgeführt. Teils nähern sie sich Formen des Jugendstils an, teils entstammen sie der persönlichen Bilderwelt Kandinskys.
Wer sich an den Farben und Formen nicht satt sehen kann, wandert weiter zum Schloßmuseum, dessen Kern die weltweit umfangreichste öffentlich gezeigte Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken von Münter und eine eigene Abteilung zum Blauen Reiter beheimatet. Im Jubiläums-Jahr würdigt das Museum vom 21. Juli bis 6. November 2011 die Expressionisten mit der Sonderausstellung „Die Maler des Blauen Reiter und der Einfluss des Japanismus“. Japanische Holzschnitte wirkten neuartig und anregend auf europäische Künstler, die aus den herkömmlichen akademischen Sehgewohnheiten ausbrachen und neue künstlerische Wege suchten. Viele von ihnen sammelten diese leicht erschwinglichen Blätter und ließen sich durch deren Motive und stilistische Eigenart inspirieren.
Besucher, die noch mehr über den Durchbruch zur abstrakten Malerei erfahren möchten, können an der Seite eines Experten zunächst durch die Kunstgeschichte reisen und dann die Lieblingsplätze der Expressionisten kennenlernen. Die geführten Touren „Auf den Spuren des Blauen Reiters“ mit dem Kunst-Kenner Fritz Walter Schmidt werden am 3. und 24. Juni 2011, am 8. Juli sowie am 5. August angeboten.
Modernen Interpretationen der berühmten Bilder begegnen dem Besucher den Sommer über im Staffelsee-Städtchen, wenn kreative Jugendliche unter dem Motto „Kunst mit der Spraydose“ bunte Akzente setzen. Zudem zeigt die Ausstellung „Blau“ des Kunstvereins Murnau vom 1. bis 8. August 2011, dass das oberbayerische Alpenvorland auch heute noch eine Muse der Maler ist. Inspiration bietet es nicht zuletzt den Hinterglasmalern, die vom 13. bis 21. August 2011 ihre traditionelle Volkskunst zeigen, deren Farbenpracht schon Kandinsky und seine Gefährten beeindruckt haben.
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