zurück zu den Reportagen zurück zu den Reportagen
Paris
Vielen Dank für Ihre Bewertung

Feuer im Niemandsland 

von Klaus Simon

Bühne_Feuer im Niemansland
Quelle: ©iStockphoto.com/Filo

Im Juni 2005 wird bei einem Bandenkrieg zwischen Drogendealern ein elfjähriger Junge von einer Kugel tödlich verletzt. Tags darauf findet der damalige Innenminister, ein gewisser Nicolas Sarkozy, markige Worte: Mit dem „Hochdruck reiniger“ wolle er die Banlieue vom „Gesindel und Abschaum“ befreien. Im Oktober darauf verstecken sich zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformatorhäuschen und erleiden einen tödlichen Stromschlag.
©iStockphoto.com/Jurga Rubinovaite Der Innenminister lässt verkünden, dass die beiden Opfer einen Einbruch unternommen hätten und deshalb von der Polizei verfolgt worden seien. Tatsächlich hatten die beiden mit dem Einbruch gar nichts zu tun. Als das bekannt wird, brandet in den Vorstädten von Paris eine Welle der Gewalt gegen die Arroganz der Macht in der Innenstadt auf. Noch am selben Abend brennen Schulen und Rathäuser nicht nur in Clichy-sous-Bois, sondern auch in anderen Gemeinden der Banlieue wie Mesnil- Blanc oder Evry. Zwei Wochen später hat das Feuer auch die Vorortsiedlungen der Provinzstädte erreicht. Der nationale Ausnahmezustand wird verhängt. Bis Ende November gehen knapp 11 000 Autos und rund 300 Gebäude in Flammen auf.

In der Verbannung

„Banlieue“, die „Bannmeile“ vor den Toren der Stadt, war schon im Mittelalter kein guter Ort. La Périphérique, die Ringautobahn, hat nun die Funktion der einstigen Stadtmauern übernommen: Ihr Asphaltband ist eine Demarkationslinie, an der sich die Stadt des Luxus und der Moden von jener der Wohnsilos, der staubigen Grünflächen und vermüllten Plätze scheidet. Der Anteil der immigrés, der Einwanderer, die trotz dieser Bezeichnung in den meisten Fällen die französische Staatsbürgerschaft besitzen, ist jenseits der Périphérique hoch. In manchen Gemeinden stammen bis zu zwei Drittel der Bewohner aus Nord- oder Schwarzafrika. So könnte man etwa Evry als die größte Stadt des afrikanischen Landes Mali bezeichnen.

Eine Frage der Hautfarbe?

©iStockphoto.com/Texasmary Die in die Betonwüste der Banlieue abgeschobenen Einwanderer mögen die französische Staatsbürgerschaft haben – die richtige Hautfarbe für den Arbeitsmarkt haben sie offen bar nicht. Entsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit der 16- bis 25-Jährigen, die aus Nordafrika stammen: fast doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Weißen. Aus dem explosiven Gemisch von Diskriminierung und verbauten Zukunftschancen entwickelte sich über die Jahre ein schleichender Bürgerkrieg, der erst jetzt, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, auch in den Köpfen Pariser Wohlstandsbürger anzukommen scheint. Nun sucht man nach Lösungen in Form von Selbsthilfegruppen, Integrationskursen, Stadtteil – Verschönerungsmaßnahmen. „Wenn ihr meine brodelnden Vorstädte nicht beruhigt, könnt ihr mit euren Projekten baden gehen“, rief Fadela Amara, die Staatssekretärin für Urbanismus, den Planern bei einem Arbeitsessen zum Thema Stadterneuerung zu. Und sie hat recht. Hilfe scheint dringend geboten. Denn das Feuer im Niemandsland – es lodert noch.

Die Stimmen der Banlieue

Faiza Guène, im Banlieue-Département Seine-St-Denis („93“) aufgewachsene Tochter algerischer Immigranten, schreibt mit bitterer Ironie über das Leben der Immigranten, über ratlose Sozialarbeiter und Psychologen, aus Angst losknüppelnde Polizisten. Auf Deutsch erschienen sind die Romane Paradiesische Aussichten und Träume für Verrückte.

Weitere Inhalte

Sehenswert

1. Arc de Triomphe Paris, Paris

     

2. Panthéon Paris, Paris

     

3. Rex Club Paris, Paris

     
Alle Sehenswürdigkeiten

mehr Videos

Weitere Videos YouTube Logo

mehr Bilder

Notre Dame PanoramaCity of Love and LightsEiffel TowerB&w View from balconyB&w eiffel towerB&w notre dameman and umbrellaTRIangolazioni
flickr Logo

Reisewetter

Paris
Donnerstag,
02.09.10
wolkig
11C / 23C
Freitag,
03.09.10
heiter
12C / 24C
Samstag,
04.09.10
heiter
11C / 25C
Ausführliches Reisewetter auf wetter.net Logo